Raumgestaltung und Entwerfen, raumgestaltung.tuwien.ac.at
RAUM
TU Wien, Architektur und Entwerfen, Karlsplatz 13/253.3, 1040 Wien

Integratives Entwerfen Poldi. Der Raum am Karmelitermarkt

 

 

Der Karmelitermarkt zählt zu den historisch bedeutendsten Märkten Wiens und fungiert seit mehr als 350 Jahren als Ort der Nahversorgung, des sozialen Austauschs und des städtischen Lebens. Gegenwärtig unterliegt er jedoch tiefgreifenden strukturellen Veränderungen, die seine räumliche, funktionale und soziale Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Die zunehmende Dominanz gastronomischer Nutzungen, temporäre Leerstände fester Marktstände, versiegelte Oberflächen sowie eine eingeschränkte Nutzung während der Tagesstunden führen zu einer deutlichen Reduktion der Aufenthaltsqualität. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis der Stadtbevölkerung nach regional produzierten Lebensmitteln, kurzen Versorgungsketten, qualitätsvollen Freiräumen und wohnungsnahen Erholungsorten.
Vor diesem Hintergrund widmet sich die Lehrveranstaltung der Entwicklung eines integrativen Entwurfs, der den Karmelitermarkt als urbanen Raum neu interpretiert, sein historisches Erbe berücksichtigt und zeitgemäße räumliche, ökologische und gesellschaftliche Anforderungen in einen zukunftsorientierten Entwurf übersetzt.
Der Karmelitermarkt weist ein hohes Potenzial als multifunktionaler urbaner Raum auf. Die Lehrveranstaltung untersucht, wie dieses Potenzial durch architektonisch-räumliche Interventionen aktiviert werden kann. Grundlage bildet eine umfassende Analyse Wiener Märkte, anhand derer Entwurfsparameter wie Raumproportionen, Bewegungsräume, Lieferlogistik, Entsorgung, Belichtung, Beschattung, Kühlstrukturen und Grünraumqualitäten abgeleitet werden.

Die Entwurfsarbeit formuliert zentrale Fragestellungen:
* Wie kann ein qualitätsvoller öffentlicher Platz als Begegnungszone räumlich konzipiert werden?
* Welche Rolle können feste Marktstände als Infrastrukturen regionaler Produktion erfüllen?
* Bedarf es einer neuen Markthalle als multifunktionalem Raum für Vermarktung, Bildung und Wissenstransfer?
* Welche Elemente (z. B. Biodiversitätsgärten, schattige Aufenthaltsbereiche, partizipative Bühnen) können einen konsumfreien Rückzugsraum schaffen?
* Inwiefern kann der öffentliche Raum als dreidimensionaler, über mehrere Ebenen aktivierter Stadtraum entwickelt werden?
* Welche Bedeutung kommt dabei hängenden Gärten, Pavillons oder gemeinschaftlich nutzbaren Strukturen zu?

Ziel ist die Formulierung eines räumlich wie programmatisch kohärenten Gesamtkonzeptes, das Tradition und Moderne, Ökologie und Urbanität sowie Marktleben und Nachbarschaft integrativ verbindet.

 

 

Methoden:

Die Studierenden durchlaufen folgende Entwurfsphasen:

Orts- und Bestandsanalyse
empirische Untersuchungen, Kartierungen, Modellstudien

Recherche internationaler und lokaler Referenzbeispiele

Entwicklung eines Raumprogramms
basierend auf funktionalen, sozialen und räumlichen Anforderungen

Entwurfsausarbeitung in mehreren Maßstäben
vom städtebaulichen Konzept (1:500 / 1:200)
über das architektonische Konzept (1:100)
bis zur Detailausarbeitung eines ausgewählten Raumbereiches (1:20)

Projektentwicklung am physischen Modell

Präsentation, Reflexion und Weiterentwicklung in iterativen Feedbackschleifen

Integration szenografischer, konstruktiver und landschaftsarchitektonischer Aspekte
Szenografische Vertiefung
Analyse der räumlichen Dramaturgie
Entwicklung atmosphärischer Konzepte
Nutzerorientierte Szenarien und Storyboards

Konstruktive Vertiefung
Entwicklung und Untersuchung von Tragwerksvarianten
Fragen der Aussteifung, Materialwahl und Montageprozesse

Landschaftliche Vertiefung
klima- und biodiversitätsorientierte Freiraumgestaltung
Integration von Wassermanagement, Baumpflanzungen und Mikroklimastrategien

Zusammenarbeit und Praxisbezug
Die Entwurfsarbeit erfolgt in Austausch mit Bürgerinnen, lokalen Initiativen, Marktverwaltung und Vertreterinnen städtischer Institutionen. Dieser dialogische Prozess stärkt die Relevanz des Projektes und ermöglicht das Verständnis divergierender Interessenlagen. Der Markt wird als soziales Labor betrachtet, in dem gesellschaftliche Aushandlungsprozesse räumlich sichtbar und gestaltbar werden.

 

Vortragende:

Anton Kottbauer
Günter Pichler
Kamyar Tavoussi

Tutorin:

Lena Werle

 

Weitere Informationen:

Einführung: Do, 05. März 2026, 9.00 Uhr im Seminarraum AC03-1.

Besprechungen finden jeweils Donnerstags von 9.00 – 17.00 Uhr statt.

 

TISS
SHARE