Raumgestaltung und Entwerfen, raumgestaltung.tuwien.ac.at
RAUM
TU Wien, Architektur und Entwerfen, Karlsplatz 13/253.3, 1040 Wien

Transformation im Bestand: Inkubator für Zukunftsdiskurse

Lukas Hertwig

 


 

Bei der Frage, wie wir künftig leben und arbeiten werden, spielt der Begriff des Weiterbauens eine große Rolle. Die Anforderungen an ein Gebäude ändern sich stets mit den Anforderungen der Gesellschaft. Neben der raumstrukturellen Organisation haben sich auch die Anforderungen an Akustik, Wärmeschutz und Barrierefreiheit verstärkt. Zusätzlich soll ein Gebäude heute zur Lösung der Klimakrise beitragen. Ein Großteil unserer gebauten Umgebung existiert bereits und wartet darauf, weitergebaut zu werden. Zahlreiche Gebäude früherer Architekt*innen aus Zeiten anderer politischer und ökonomischer Systeme, deren ursprüngliche Nutzungen heute nicht mehr so funktionieren wie einst geplant, charakterisieren den urbanen Raum und bieten Möglichkeitsräume für ein Weiterbauen.
Neben der Klimakrise ist auch der Wandel der Arbeitswelt und dessen Auswirkung auf die Gesellschaft ein zentrales Thema der Architektur. Viele Bürogebäude aus der Nachkriegszeit entsprechen nicht mehr dem heutigen Standard. Doch die politischen und gesellschaftlichen Diskussionen über Abriss und Neubau zeigen, dass das Potenzial des Erhalts von Bestandsgebäuden  häufig übersehen wird. Dabei könnte gerade die Revitalisierung dieser Gebäude eine Schlüsselrolle bei der Erreichung der Klimaziele spielen und gleichzeitig die Anpassung an moderne, partizipative Arbeitsmodelle fördern. Für die Umsetzung müssen Akteur*innen verschiedenster Disziplinen zusammenarbeiten und gemeinsam Transformationsprozesse anstoßen.
Auf Basis einer Literaturanalyse werden zunächst zwei Themenfelder der Herausforderungen – an die Baukultur und an den Arbeitsraum – vertieft und ihre Anforderungen und Potenziale identifiziert. Diese Analyse und die daraus gewonnenen Erkenntnisse stellen die Basis für ein Entwurfskonzept, welches den 1970 entstandenen Erweiterungsbau des Braunschweiger Rathauses als zukunftsfähiges Verwaltungsgebäude nachhaltig revitalisiert.

Neben den benötigten Büroflächen für die Stadtverwaltung soll auf dem neuen Stadtbalkon ein Reallabor für Zukunftsdiskurse entstehen, um aktiv an den zahlreichen Innovationszonen des Braunschweiger Stadtentwicklungskonzepts 2030 zu arbeiten. Dieser neue, innerstädtische Raum soll ein Instrument für akademisches Wissen, Alltagskultur, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sein, um gleichberechtigt und mit einem transdisziplinärem Ansatz eine nachhaltige Stadtentwicklung zu fördern.

 

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