Menschenwürdige Daseinsgestaltung
Eine Biosphäre-Werkstatt als Nahrungsraum für den Menschen
Lisa Hollmann

Architektur ist Raum für, von und durch den Menschen. Sie schafft Identität, Zugehörigkeit und Interaktion. Architektur beeinflusst den Menschen auf emotionaler, sowie physischer Ebene, während der Mensch als Gestalter*in den Raum prägt. Angesichts dieser fundamentalen Wechselwirkung zwischen Mensch und Raum stellt sich die Frage: Sollte der Begriff des Humanismus nicht eigentlich maßgebend für die gebaute Umwelt sein?
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, zu verdeutlichen, dass eine humanistische Perspektive auf den Raum einer zeitgemäßen (Neu-)bewertung bedarf und dass die Begrifflichkeit des Humanismus als grundlegendes
Gestaltungsprinzip fungieren sollte. Im Fokus der Analyse stehen italienische Piazza-architekturen aus dem Spätmittelalter und der Renaissance, die über Jahrhunderte hinweg als symbolträchtige öffentliche Räume Bestand halten. Gesetzliche Vorgaben der Zeit, wie die Loggia als repräsentativer Außenraum, mit Schutz vor Witterung, oder die Gestaltung des Stadtraums als Hintergrund für die Gesellschaft, zeigen, wie tief das Menschliche in der Architektur der Zeit verankert war. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Beständigkeit und Zeitlosigkeit der Stadtplätze. Trotz gesellschaftlicher, politischer und kontextueller Veränderungen haben diese öffentlichen Räume ihre Bedeutung und Aufenthaltsqualität bis in die Gegenwart bewahrt. Diese
Beständigkeit wirft die Frage auf, ob und welche räumlichen und gestalterischen Qualitäten diese Orte so dauerhaft und anpassungsfähig gemacht haben. Und wie diese Aspekte in der heutigen Architektur angewendet werden könnten, um dem Menschen, als emotional geprägte Nutzer*in, (wieder) mehr Bedeutung im Raum zu geben.
Die Analyse soll aufzeigen, ob und wie die Entwurfsideen und Prinzipien von italienischen Platzarchitekturen trotz ihrer historischen Verwurzelung auf aktuelle Herausforderungen in der Architektur übertragen werden können. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Untersuchung der Rolle des öffentlichen Raumes als Ort der sozialen Interaktion und Identifikation. Dabei werden die räumlichen und sozialen Funktionen, der sorgsam ausgewählten Analysebeispiele, aber auch die baurechtlichen Vorschriften der Zeit analysiert. Ausschlaggebend für die Analyse ist die theoretische Begriffsbestimmung von Humanismus, sowohl alleinstehend als auch im Kontext der Architektur und der Stadt. Nicht nur die historische Definition wird hierbei erörtert, sondern
auch die Entwicklung des Begriffs über unterschiedliche politische und soziale Veränderungen und dienen als Grundlage für das Formen des humanistischen Gestaltungsprinzips.
Die gewonnenen Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen dienen als Grundlage für die Entwicklung eines architektonischen Entwurfs, welcher versucht Humanismus in meiner erarbeiteten Definition und die Ergebnisse aus Theorie und Analyse unter einem Dach zusammenzufassen. Die Biosphären-Werkstatt als Nahrungsraum für den Menschen befindet sich an der Linken Wienzeile und formuliert einen klaren Standpunkt zum Thema der humanistischen Architektur. Dieser Ansatz soll aufzeigen, wie sich die menschliche Perspektive in der heutigen Architektur und Stadtplanung (erneut) einbinden lassen kann und sollte, um den Raum für, von und durch den Menschen, als prägende und geprägte Nutzer*in, zu gestalten.
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